Track 02 | 2020

Basis Funktionen

Die Pandemie öffnet den Blick auf Strukturen, Infrastruktur, Zusammenhänge und systemische Logiken, hauptsächlich als Unterbrechung. Die ursprüngliche Idee des Seminars, sich feedback-regulierte Systeme genauer anzuschauen, um damit Hochschulpolitik, Lehre und Freizeit auf ihre subtilen Kontrollmechanismen hin zu durchleuchten, wird von den globalen Ereignissen gekapert. Das Seminar beginnt während der letzten Phase des ersten Lockdowns in der BRD. Als Einstieg ergibt sich Georgia Sagris Pandemic bla bla, ein Text, der einerseits Aspekte von Körper/Krankheit/Heilung thematisiert, aber auch den herrschenden Kapitalismus. Dann wird George Floyd ermordet und das Atmen als Basisfunktion des Körperlichen avanciert zum argumentativen Tool und zur ultimativen Metapher. Wir lesen Achille Mbembes Text Universal right to breathe und sehen uns künstlerische Arbeiten von Georgia Sagri und Park McArthur an. Dem folgt die Lektüre von Johanna Hedvas sick woman theory.

Im Rahmen eines gemeinsamen Seminartags mit Studierenden der Kunsthochschule Nürnberg (Seminar Prof.in Kerstin Stakemeier) diskutieren wir die multimedialen, als Reaktion auf den Virus entstandenen Formate Society of the Friends of the Virus (z.B. Testing Assembling, Volume 3 und supplement) der 16 Beaver Group). Den Abschluss bildet Gilles Deleuze berühmtes Postskriptum über die Kontrollgesellschaften (1992) und ein Blick auf einige Werkgruppen von Mike Kelleys Educational Complex. Das Unsichtbare, das überall sein kann und sich damit der Kontrolle entzieht, löst Angst aus und überwältigt. Es manifestiert sich als narratives Genres in seiner externalisierten Form im Horror oder internalisiert als Neurose. Siehe etwa auch hier und hier.

Gemeinsam mit Inka Meißner.

Diverse Materialien Kunst, Theorie, Literatur, Videos, Links gibt es hier (upcoming).


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