Track 8 | 2026
Re(Evaluation) Elation
Ausgehend vom Besuch der Art Basel Paris beschäftigen wir uns mit der Frage nach dem Verhältnis von Kunst und ihrer Einbettung in den Markt über die Frage der Wertproduktion.
Bis zu Beginn dieses Jahrtausends schien die Frage nach dem Wert der Kunst noch eng mit der Kunstkritik und dem damit einhergehenden Werturteil verknüpft. Spätestens seit der Verbreitung des Smartphones Ende der 2000er Jahre hat sich diese Form des Werturteils jedoch verändert. Digitale Plattformen und Formen der Bewertung wie „Likes“ haben an Bedeutung gewonnen. Werturteile speisen sich hier zunehmend aus Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Konsensbildung. Gibt es überhaupt einen „Kanon“ oder einen gemeinsamen Diskurs, und wenn ja, wo und durch wen wird dieser hergestellt, reproduziert, kritisch reflektiert oder infrage gestellt?
Part I (die Künstler:innen)
Der Wert der Kunst ist weder allein dem einzelnen Kunstwerk inhärent, noch ist er stabil. Wie also wird der Wert der Kunst, der immer auch spekulativ und relativ ist, durch unterschiedliche Akteur:innen, Handlungen und Institutionen entworfen? Welche Rolle spielen Künstler:innen, Kunsthistoriker:innen, Kritiker:innen, Kurator:innen, Galerist:innen, Sammler:innen und andere Akteur:innen des Kunstfelds? Welche Rolle spielen die Räume, in denen Kunst gezeigt wird – selbstorganisierte Räume, Galerien, Museen, Kunstvereine und Kunstmessen – sowie Kunstmagazine, Publishers, Blogs und Online-Plattformen wie Contemporary Art Daily? Wie verhalten sich diese unterschiedlichen Akteur:innen, Räume und Formen der Wertproduktion zueinander? Wie beeinflussen sie sich gegenseitig – oder existieren sie nebeneinander?
Wir befassen uns mit historischen und zeitgenössischen Perspektiven auf die Wertbildung im Verhältnis von Kunstwerk, Ware und Arbeit. Im Besonderen werfen wir einen Blick darauf, wie Künstler:innen in die Wertproduktion intervenieren, etwa durch Verträge, diese reflektieren, etwa im Sinne einer Institutionskritik, oder sie infrage stellen. Dabei interessiert uns auch, wie diese Bedingungen in die Kunst selbst hineinwirken – in ihre Formensprachen sowie in die Arten und Weisen ihrer Produktion, Zirkulation und Distribution.
Part II (die Räume)
Jenseits von der Art Basel Paris schauen wir uns an, wie Wertproduktion in nicht-institutionellen Räumen jenseits von den Galerien stattfindet. Ausgehend von Besuchen selbstorganisierter Räume und Verlage in Paris möchten wir die Frage nach dem Wert der Kunst auch aus einer sozialen und organisatorischen Perspektive betrachten. Wie entsteht Wert innerhalb sozialer Gefüge und unterschiedlicher Formen der Organisation? Dabei drängt sich die Frage nach der in der Kunst inhärenten politischen Dimension und dem Bezug zur sozialen Wirklichkeit in den Vordergrund. In welcher Form wird dieser Bezug wiederum zu einem Wert innerhalb des Kunstmarktes? Wie verhalten sich Werk und Raum zu ihren jeweiligen Öffentlichkeiten?
Selbstorganisierte Gruppen und Räume können Gegenöffentlichkeiten herstellen und alternative Formen der Produktion, Präsentation und Zirkulation von Kunst ermöglichen. Gleichzeitig sind auch sie nicht frei von strukturellen Bedingungen und Abhängigkeiten – etwa durch staatliche oder private Förderung –, Hierarchien und Mechanismen der Ein- und Ausschließung.
Anhand unterschiedlicher Organisations- und Ausstellungsformen – von der Kunstmesse über Galerien und Institutionen bis zu diskursiven, politischen und selbstorganisierten Räumen – untersuchen wir, wie sich soziale Beziehungen, Öffentlichkeit und Wertproduktion gegenseitig bedingen. Wie wird Öffentlichkeit hergestellt? Wann stellen selbstorganisierte Räume bestehenden Wertvorstellungen eine Gegenöffentlichkeit entgegen – und wann reproduzieren oder verstärken ihre Akteur:innen einen bereits bestehenden Konsens?